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Der Seele Raum geben

Systemaufstellungen nützen die Erkenntnis, dass Raum eine symbolische Sprache ist, die es dem Unterbewusstsein erlaubt sich auszudrücken. Wir alle tragen verinnerlichte Bilder jener Systeme in uns, in denen wir uns bewegen. Diese meist unbewussten Abbildungen unserer Welt und der Stellung, die wir selbst in ihr haben, können uns stärken und beflügeln oder im Gegenteil hindern und schwächen. Wo dies der Fall ist, sind Systemaufstellungen ein Mittel der Wahl, um über die Darstellung im Äußeren zu einem umfassenderen Verständnis zu gelangen und nachhaltige Veränderungen anzuregen.

Die Systemaufstellung im Gruppensetting ist eine Vorgehensweise, für die Folgendes benötigt wird:

  • eineN für Systemaufstellungen ausreichend qualifizierteN AufstellungsleiterIn
  • eineN KlientIn mit einer Frage (Anliegen)
  • GruppenteilnehmerInnen, die als StellvertreterInnen (RepräsentantInnen) Rollen der ausgewählten Systemmitglieder oder Systemelemente übernehmen können
  • die räumliche Darstellung des Systems mithilfe der StellvertreterInnen durch die KlientIn
  • adäquat geleitete Prozessarbeit, in welcher Lösungsansätze in Bezug auf die Fragestellung sichtbar werden können

Schritte im Vorgehen:

  • Klärung der Fragestellung der KlientIn und des damit verbundenen Anliegens für die Systemaufstellung
  • Vorschlag der AufstellungsleiterIn, welche Systemmitglieder (Systemelemente) aufgestellt werden sollen
  • Auswahl von StellvertreterInnen für diese Systemmitglieder (Systemelemente) durch die KlientIn
  • Aufstellung der Personen im Raum durch die KlientIn. Er/sie selbst wird auch durch eineN StellvertreterIn dargestellt und kann dem Geschehen von außen folgen.
  • Das durch die KlientIn räumlich aufgestellte Bild lässt Dynamiken, die vorher meist unbewusst waren, deutlich werden und weist den Weg zu möglichen Lösungen 1.
    Diese werden mithilfe von Rückmeldungen der StellvertreterInnen und durch gezielte Interventionen seitens der AufstellungsleiterIn gesucht. Ziel ist ein für die KlientIn vertretbares Lösungsbild, in dem jedes Systemmitglied (Systemelement) einen guten Platz im Ganzen hat. In vielen Fällen nimmt die KlientIn gegen Ende der Aufstellung selbst seinen/ihren Platz ein, die StellvertreterIn verlässt die Aufstellung.
    Das Lösungsbild führt einerseits zu neuen Einsichten und wird durch die unmittelbare körperliche Erfahrung der KlientIn auf umfassende Weise aufgenommen. Es kehrt gleichsam wieder ins Innere zurück und kann von dort her seine Wirkung im Leben allmählich entfalten.
  • Falls nötig: Abschlussbemerkungen bzw. Antworten der Aufstellungsleitung auf Fragen der KlientIn.

1„Lösung“ meint hier nicht eine endgültige Antwort im Sinne einer einzig richtigen Option. Vielmehr beziehen wir uns auf eine Veränderung der Sichtweise, auf die Erweiterung der gedanklichen Möglichkeiten und die Anregung zu neuen Strategien im Handeln.

 

Die Systemaufstellung im Einzelsetting erfordert dieselbe Klärung des Anliegens und Auswahl der Systemmitglieder/Systemelemente. Anstelle von RepräsentantInnen bedient sie sich verschiedenster Hilfsmittel wie:

  • Bodenanker
  • Figuren
  • Schuhe
  • Stühle
  • Kissen
  • und jegliche Art von Symbolen

Dabei hat z. T. auch die KlientIn die Möglichkeit, die verschiedenen Positionen einzunehmen und so seine Wirklichkeit aus anderen Perspektiven wahrzunehmen. Da es in diesem Setting keine Rückmeldungen von RepräsentantInnen gibt, geht auch die AufstellungsleiterIn immer wieder in die Rolle einer StellvertreterIn und liefert die Worte, die die Geschichte des aufgestellten Bildes erzählen.
Auch hier wird durch die Veränderung des Bildes im Äußeren die Veränderung im Erleben im Innern angestrebt.

Über diese allgemein beschriebenen Vorgehensweisen hinaus entwickelt jede AufstellungsleiterIn einen persönlichen Arbeitsstil, der unterschiedliche „Färbungen“ aufweist.
Merkmal einer gelungenen Vorgehensweise ist die Fähigkeit der AufstellungsleiterIn, die Sprache der KlientInnen zu sprechen. Dies bedeutet, die Bilder und Bewegungen der Aufstellung so zu interpretieren und in Worte zu fassen, dass die KlientInnen zum einen mit ihrem Verständnis an Vertrautes anschließen können und gleichzeitig so viel Neues erfahren, dass Veränderungen in Gang gesetzt werden.
Erfahrungsgemäß wirken Aufstellungen über eine lange Zeit nach, d. h. auch Erkenntnisse und neue Handlungsimpulse dürfen sich Schritt für Schritt in einem gesunden Rhythmus entfalten.