Wie KRANKHEIT ZU GESUNDHEIT FÜHRT: SYMPTOME ALS WEGWEISER ZU EINER HEILSAMEN ENTWICKLUNG

Systemische Aufstellungsarbeit im Feld der SozioPsychoSomatik

Von 24. bis 26. März 2017 fand die 7. ÖfS-Tagung, diesmal in Mauerbach bei Wien, statt. Psychotherapeut/-innen, Ärzte/-innen, Lebens- und Sozialberater/-innen, Systemaufsteller/-innen und andere Interessierte trafen sich im Hotel Schlosspark Mauerbach, um das Motto der Tagung auf verschiedene Art zu erläutern und zu vertiefen.

Dr. Manuela Mätzener (Vorsitzende ÖfS) eröffnete die Tagung. Durch die drei Tage führte Ilse Gschwend (Psychotherapeutin, Gründungsmitglied des ÖfS). Sie zitierte einen Spruch aus einem Buch: „Der Heilung ist es egal, wie man sie erlangt.“ Dieser Satz unterstreicht auch die Vielfalt an Herangehensweisen zu Krankheit, Gesundheit und körperlichen Symptomen. Aufstellungsarbeit kann die Symptome und ihre Hintergründe sichtbar machen.

Zu sehen war dies für alle bei den beiden Aufstellungen in Plenum; am Freitag geleitet von Elisabeth Ferrari und am Sonntag von Renate Daimler. Hier konnten Teilnehmer/-innen einen Einblick in die Herangehensweise der zwei Kolleginnen gewinnen.

Viele Teilnehmer/-innen sprachen auch noch am Samstag und Sonntag begeistert vom ersten Vortrag. Edith Gloor erzählte über ihre Querschnittlähmung, die sie wie der sprichwörtliche Blitz aus heiterem Himmel überfallen hatte. Sie schilderte, wie es ihr gelang, die Situation und ihre „Krankheit“ anzunehmen. Denn nur so konnte sie mit ihren Selbstheilungskräften in Berührung kommen und sie für ihre Genesung nutzen. Edith Gloor bereitete sich selbst darauf vor, dass die Schulmedizin heilbringend an ihr arbeiten konnte. Ein Jahr später stand sie wieder auf ihren eigenen Beinen, obwohl Mediziner/-innen ihr nur eine 5 %-Chance auf Heilung gegeben hatten.

Am Samstag Vormittag sprach Prof. Dr. Roland Schleiffer (Facharzt für Kinder- und Jugendpsychiatrie) über den Sinn und die Funktion psychischer Symptome. Er betonte, dass er ein Verfechter der Trennung von Körper und Psyche sei und schilderte durchaus selbstironisch seinen Zugang zur Welt der Psychosomatik. „Über den Körper zu sprechen, ist weniger stigmatisiert“, erklärte er. Denn der Mensch lebe seine psychischen Probleme manchmal lieber über den Körper aus, was allerdings zu einer Chronifizierung des Problems beitragen könne. Als wichtigsten Wirkfaktor zur Heilung machte er das Selbstvertrauen des Therapeuten aus, auch wenn er das als Wissenschaftler naturgemäß etwas anders sieht.

Ihm folgte Dr. Christina Hunger-Schoppe MSc, die die erste randomisiert-kontrollierte Studie zu Systemaufstellungen vorstellte. „Wir waren jung und wir hatten zum Glück das Geld“, sagte sie gleich zu Beginn. Eine Wiederholung dieser Studie sah sie als sehr wünschenswert an. Aus dem Publikum kam der Wunsch, eine vergleichbare Studie mit Aufstellungsskeptiker(inne)n durchzuführen.

Am Freitag und Samstag konnte jede/-r Teilnehmer/-in aus insgesamt 18 Workshops auswählen und sich an den beiden Tagen jeweils einem für ihn/sie spannenden und vielleicht sogar noch unbekannten Thema widmen. „Es war das Beste, das ich in den letzten Jahren erlebt habe“, sagte einer der Teilnehmer zu dem schon im Vorfeld lange ausgebuchten Workshop von Christl Lieben, in dem es u.a. darum ging, dass die Liebe, die uns wollte, unseren Weg trägt und Körpersymptome und Krisen uns führen.

Die Vortragende für Sonntag, Prof. Dr. Luise Reddemann, war zwar krank, doch hielt Ilse Gschwend den von der Psychoanalytikerin und Fachärztin für psychotherapeutische Medizin vorbereiteten Vortrag an ihrer Stelle: „Achtsamkeit und Mitgefühl – Technik oder Haltung, um Symptomen freundlich zu begegnen“. Die Begründerin der Psychodynamisch Imaginativen Traumatherapie, Reddemann, sagte, dass eine kontemplative Praxis für Menschen in heilenden Berufen sehr hilfreich sein könne. Allerdings gab sie zu bedenken, dass man durch meditative Praktiken auch sehr einfach vermeiden könne, sich mit gewissen Themen oder Dingen auseinanderzusetzen. „Hinter jedem Symptom steckt ein Mensch, der mehr ist als seine Symptome. Und in ihnen steckt ein Weg zur Heilung“, gab sie den Tagungs- Teilnehmer/-innen am letzten Tag mit.

Am Samstag und Sonntag ertönten je einmal laut die Trommeln aus dem Vortragssaal. Eelco de Geus und Sabine Kresa luden zu einem Dialogkreis, den sie aufgrund der Gruppengröße – es waren knapp 200 Menschen ins Hotel Schlosspark Mauerbach gekommen – als „Monsterkreis“ bezeichneten. Jede/-r, der/die wollte, konnte in den Kreis treten und aus dem Herzen sprechen, was sie/ihn gerade bewegte. Diese Statements waren so persönlich wie möglich und so offen, wie jede/-r es aushalten konnte; und sie wirkten auf die Gemeinschaft zurück.

Die Dialogprozess-Technik setzten de Geus und Kresa am Ende der Tagung wieder ein, um alle Mitwirkenden zu würdigen und alle Teilnehmenden in den Sonntag Nachmittag zu verabschieden. Ursula Zelzer-Lenz MSc (stv. Vorsitzende des ÖfS): „Es war ein sehr reichhaltiges Programm mit inspirierenden Vorträgen und einer sehr liebevollen Organisation. Ich freue mich, dass so viele Menschen gekommen sind und diese Tagung zu einem wunderbaren Erlebnis gemacht haben.“

Dr. Manuela Mätzener (Vorsitzende des ÖfS) freute sich, dass der Spirit dieser großen ÖfS-Familie in den drei Tagen gut zu spüren war und meinte „Das Besondere an der Tagung war für mich die große Vielfalt an Vortragenden, Referent(inn)en und Workshop- Leiter/-innen, die ihre einzigartige Art zu arbeiten bzw. aufzustellen in ihrer unterschiedlichen Zugangsweise eingebracht haben und damit einen schönen Querschnitt der systemischen Aufsteller/-innen im deutschsprachigen Raum gezeigt haben.“